Ketteler Krankenhaus plant Schließung der Geburtsmedizin

Ein modernes Krankenhausgebäude mit dem Schild „Ketteler Krankenhaus“ an der Vorderseite. Es verfügt über eine mehrstöckige Fassade mit zahlreichen Fenstern. Im Vordergrund sind bunte Blumen und Grünpflanzen unter einem klaren blauen Himmel zu sehen.

Angebot in der Gynäkologie bleibt in vollem Umfang bestehen und wird
weiterentwickelt
.

Offenbach, 24. Februar 2026. Das Ketteler Krankenhaus in Offenbach plant im Rahmen des
laufenden Sanierungsverfahrens, seine Frauenklinik neu auszurichten. Insbesondere wird
derzeit die Schließung der Geburtsmedizin, möglicherweise bereits zum 30. Juni 2026,
erwogen. Die Gynäkologie ist von dieser Veränderung nicht betroffen und behält ihren hohen
Stellenwert. Die Abteilung soll sich zukünftig auf die Frauenheilkunde mit den Schwerpunkten
Urogynäkologie, onkologische Gynäkologie und das traditionsreiche Brustzentrum
konzentrieren, das zu einer der ältesten Einrichtungen dieser Art in Deutschland zählt. „Wir
bedauern diesen Schritt sehr, denn wir wissen, wie sehr die werdenden Eltern in der Region
die Geburt in einem kleinen Haus in familiärer Atmosphäre schätzen, und die Mitarbeitenden
in der Abteilung leisten sehr gute Arbeit“, erklärt Dietmar Eine, Sanierungsgeschäftsführer des
Ketteler Krankenhauses. Man habe sich eine andere Lösung gewünscht, aber leider ist ein
Erhalt in der aktuellen Phase der Insolvenz nicht zielführend. Die Geschäftsführung wird jetzt
kurzfristig die Gespräche mit der Mitarbeitervertretung über eine Schließung der
Geburtsmedizin aufnehmen. Bereits im Vorfeld wurden die Mitarbeitenden in der Geburtsklinik
informiert.

Generell sind geburtsmedizinische Abteilungen in Deutschland mit Geburtenzahlen unter 800
pro Jahr kaum wirtschaftlich zu führen. Im Ketteler Krankenhaus waren die Geburten in den
vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. 2025 hatten nur noch 484 Kinder hier das Licht
der Welt erblickt. Dementsprechend hat die Geburtsmedizin zuletzt auch ein Defizit von rund
1,1 Mio. Euro erwirtschaftet. „Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache“, stellt Eine klar.
„Damit das Ketteler Krankenhaus langfristig eine Zukunft hat und auf einem wirtschaftlich
stabilen Fundament steht, müssen wir uns von der Geburtsmedizin leider verabschieden.“

Anders als in ländlichen Gegenden ist die Versorgungssituation im Ballungsraum Frankfurt /
Rhein-Main in der Geburtsmedizin weiterhin sehr gut. „Werdende Eltern müssen sich über
diese Entwicklung in unserem Haus auf keinen Fall Sorgen machen“, beurteilt Angelika
Heckenthaler, ebenfalls Geschäftsführerin im Ketteler Krankenhaus die Lage. Die
Geburtshilfe am Ketteler Krankenhaus sei eine vergleichsweise kleine Fachabteilung – in den
letzten Jahren habe durchschnittlich nur noch eine Frau am Tag entbunden. „Wir gehen davon
aus, dass die zahlreichen größeren Geburtskliniken in der Region den Wegfall unseres
Angebots gut kompensieren können. Das Ministerium ist mit diesen Krankenhäusern bereits
im Gespräch.“

Durch die Schließung der Geburtsmedizin würde für die Hebammen am Ketteler Krankenhaus
das Aufgabenfeld wegfallen. „Ein Wechsel des Arbeitsplatzes ist immer ein Einschnitt in das
persönliche Leben“, zeigt Heckenthaler Verständnis. Sie gehe davon aus, dass sich für diese
auf dem Arbeitsmarkt sehr begehrten Fachkräfte schnell eine andere Lösung in der Region
finden werde. „Sollte es soweit kommen, werden wir die betroffenen Mitarbeiterinnen so gut
wie möglich begleiten und unterstützen.“ Auch für die Assistenzärztinnen und -ärzte wäre die
Schließung mit einer Veränderung verbunden:
Das Ketteler Krankenhaus könnte dann perspektivisch das volle Spektrum der
Facharztausbildung in der Gynäkologie mit seinem Portfolio nicht mehr abdecken.

Das Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung, in dem sich das Ketteler Krankenhaus derzeit
befindet, läuft planmäßig weiter. Das bestätigt Philip Konen von der PLUTA Rechtsanwalts
GmbH, der gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Christian Kaufmann die Klinik als
Generalhandlungsbevollmächtigter begleitet: „Zum jetzigen Zeitpunkt gehen wir davon aus,
diesen Prozess im zweiten Quartal 2026 abschließen zu können.“ Ziel des Verfahrens ist es,
das Krankenhaus mit seiner wichtigen regionalen Bedeutung zu erhalten und die medizinische
Versorgung in Offenbach langfristig sicherzustellen.

Ketteler Krankenhaus gGmbH
Lichtenplattenweg 85
63071 Offenbach
www.ketteler-krankenhaus.de

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Veröffentlicht am: 25. Februar 2026

Im Bereich: Krankenhaus

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